Die Geschichte von Podelwitz

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Es sei ein schönes, aber von vornherein zum Scheitern verurteiltes Ansinnen gewesen, sagt Kathrin Gwozdz. Die Leiterin der Hauptverwaltung in der Gemeinde Rackwitz fasst damit ein mehr als 25 Jahre altes Vorhaben von Wolfgang Albrecht und einen beinah 20-jährigen Zwist zusammen.

Der heute 84-Jährige hatte vor, auf einem über 21 000 Quadratmeter großen Grundstück am Breitenfelder Weg in Podelwitz Wohnhäuser zu errichten. Mittlerweile hat es der Fall bis zu einer Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht geschafft.

Doch von vorn:

Anfang der 90er-Jahre hilft der im baden-württembergischen Ludwigsburg lebende Albrecht einem Kollegen im damals noch nicht zu Leipzig gehörenden Wiederitzsch beim Aufbau eines Zahnlabors. Albrecht ist Zahntechnikermeister, betreibt selbst ein Labor. Er schickte seine Leute nach Wiederitzsch, umgekehrt reisten Mitarbeiter zur Ausbildung nach Süddeutschland. In einem Brief an die LVZ schreibt er: „Meine Frau und ich, wir waren keine Besserwessis im damals manchmal zutreffenden Sprachgebrauch. Wir haben uns mit viel Kraft und Engagement eingesetzt, dass der westliche Standard der Zahnversorgung möglichst schnell der damals in dieser Hinsicht unterversorgten Bevölkerung zugutekommt“. In dieser Zeit kaufte Albrecht, der in Leipzig geboren wurde, von der Gemeinde Podelwitz und der Treuhandanstalt zwei zusammenhängende Grundstücke im noch eigenständigen Ort Podelwitz. Für umgerechnet mehr als 500 000 Euro. Sein Ziel: Die Errichtung einer Wohnsiedlung. „Es war in trockenen Tüchern, dass es Bauland ist", sagt Albrecht. Dazu habe ihm die Podelwitzer Verwaltung versichert, dass sie das Vorhaben unterstützen wolle. Ein wesentlicher Grund für seine Kaufentscheidung, sagt Albrecht. Doch daraus wurde nichts. Mit der Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Leipzig-Halle und der Eingemeindung von Podelwitz in die Gemeinde Rackwitz um die Jahrtausendwende seien die Grundstücke nach Ansicht von Wolfgang Albrecht ohne rechtliche Grundlage von Bau- zu Ackerland herabgewürdigt worden. Seither habe Albrecht viele Gespräche geführt. Daraufhin, im Oktober des vergangenen Jahres, habe er dann ein Kaufangebot der Gemeinde von rund 22 000 Euro erhalten. Gemessen am einstigen Kaufpreis und „der weiteren Planung wegen der gemeinderatlichen Entscheidung eine Frechheit und behördliche Vermögensvernichtung“, schreibt Albrecht. Zuvor hatte er bereits Beschwerde am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Da Wolfgang Albrecht in seinem Alter nicht mehr selbst bauen wolle, bot er der Gemeinde das Grundstück wiederum zum Kauf an - für 9,50 Euro pro Quadratmeter. Es war nie Bauland, sagt Kathrin Gwozdz. Es sollte lediglich zu solchem entwickelt werden. Doch ein Bauleitplanverfahren, das Grundvoraussetzung dafür ist. sei nie auf den Weg gebracht worden, erklärt die Rackwitzer Hauptamtsleiterin. Die Raumordnungsbehörde habe dafür niemals eine Erlaubnis erteilt, zudem Bedenken angemeldet. Gwozdz: „Ein Kauf ohne Absicherung im Falle des Scheiterns beispielsweise durch Rücktrittsmöglichkeiten oder Wertnachbesserung, war insbesondere Anfang der 90er Jahre äußerst „blauäugig“. Das Angebot der Gemeinde für den Rückkauf entspreche dem Bodenrichtwert für die aktuelle Nutzung als Grünfläche. Rackwitz dürfe das Land gar nicht für einen höheren Betrag erwerben, in der Hoffnung. dass es noch einmal zu Bauland wird, sagt Gwozdz Diese Entwicklung sei aufgrund der angrenzenden ICE-Strecke und des nahen Flughafens nicht abzusehen. Eine Mehrerlösklausel habe Albrecht genau wie das Angebot abgelehnt, erklärt Gwozdz. Diese hatte ihn im Falle einer Wertsteigerung bei späterer Weiterveräußerung durch die Gemeinde abgesichert.

Die Rackwitzer Verwaltung will nun im Technischen und Hauptausschuss noch einmal über das Verkaufsangebot von Albrecht diskutieren. Albrecht hat sich mit einem Schreiben an Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) gewandt.

Quelle: LVZ-Artikel von Mathias Schonknecht

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